Ein Ausblick auf “Pawn Sacrifice”

Pawn Sacrifice

Nach den Olympischen Winterspielen und dem Großen Preis von Russland findet derzeit das dritte große Sportereignis in Sochi am Schwarzen Meer statt: Carlsen gegen Anand – die Schwergewichte der Schachwelt in einem Nervenkrieg über zwölf Partien. Es ist ein Prestige-Duell zwischen dem jungen Weltmeister mit der Rekord-Elo-Zahl und dem erfahrenen Champion, der den Großmeistertitel bereits errungen hatte, bevor sein Kontrahent überhaupt geboren wurde.

Im Jahr 1972, als sich die Vereinigten Staaten in der NATO und die Sowjetunion im Warschauer Pakt säbelrasselnd gegenüberstanden, hießen die besten Schachspieler der Welt Bobby Fischer und Boris Spasski. Das Match des Jahrhunderts fand auf mehr oder weniger neutralem Boden in der Ausstellungshalle Laugardalshöllin in der isländischen Hauptstadt Reykjavík statt. Die Spieler waren Strohpuppen der Weltmächte – der Sieger sollte vor allem die intellektuelle Überlegenheit seines Heimatlandes unter Beweis stellen. Aus dem Duell ging keiner der Spieler als Gewinner hervor: Der eine galt in seiner Heimat zeitweise als Geächteter; der andere verlor den Verstand und tauchte mehrere Jahrzehnte unter, um schließlich noch einmal als ergrauter Verschwörungstheoretiker und Antisemit auf der Bildfläche zu erscheinen. Eine Geschichte, die ein filmisches Denk- oder Mahnmal verdient hat.

Pawn Sacrifice wurde auf dem Toronto International Film Festival bereits vor ausgewähltem Publikum aufgeführt und zählt auf IMDB immerhin ein paar Dutzend Bewertungen. Einen Trailer oder wie auch immer geartete Promotion sucht man allerdings vergeblich. Die europäischen Lichtspielhäuser werden den Film voraussichtlich ab Januar zeigen – hoffentlich.

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