Weltuntergänge können so schön sein

Weltuntergänge können so schön sein

Zugegeben: Die bisherigen Apokalypse-Vorhersagen haben noch nie so ganz gestimmt, und trotzdem wird das Thema immer wieder cineastisch verwurstet. Ich meine damit nicht die Roland-Emmerich-Geschichten à la Weltuntergangszenario durch drastische Umwelteinflüsse oder die ja nun schon fast ausgelutschten Alien- beziehungsweise Zombie-Invasionen. Nein, ich meine eher den originellen und kreativen Umgang mit dieser durchaus schwierigen Thematik – also die auf Ästhetik, Humor und Humanität bedachten Umsetzungen.

Melancholia

Losgetreten hat den Trend der Däne Lars von Trier mit seinem 2011 erschienenen und nervenzehrenden Werk „Melancholia“ mit Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Alexander Skarsgård, Kiefer Sutherland, Brady Corbet, Stellan Skarsgård und Udo Kier. Damit war bewiesen, dass so eine Apokalypse auch ohne viel Zerstörung und Blut vonstattengehen und dass das Ganze als eine Art anthropologische Studie aufgezogen werden kann. In Triers Fall hieß das im Klartext: Obacht, liebe Mainstream-Kinogänger und Tom-Cruise-Fans, es handelt sich hierbei nicht wirklich um einen Kometen, sondern um die komplette Selbstzerstörung eines manisch-depressiven Individuums und die Qualen der daran teilhabenden Mitmenschen. Hätte ja niemand ahnen können, dass die Endzeitszenerie einen Gemütszustand repräsentiert, zumal der Film „Melancholia“ heißt – dachte ich während der Buhrufe im Kinosaal.

Last Day on Earth

Ebenfalls 2011 und ebenfalls schwermütig kam „4:44 Last Day on Earth“ von Abel Ferrara daher. Darin zeigten Shanyn Leigh und Willen Dafoe, dass Panik bei einem Weltuntergang wohl fehl am Platz ist. Was soll man auch machen, wenn feststeht, dass alles Leben auf dem eigenen Planeten bald ausgelöscht sein wird? Also arbeiten die beiden Protagonisten einfach weiter, streiten und lieben sich und warten die verbleibende Zeit ab. Dadurch, dass die Situation dermaßen normalisiert wird, erscheint sie anstrengend und bedrückend, denn zwischen Angst und Glück ist die Ruhe, die bleibt, ermüdend und kostbar zugleich.

Seeking a Friend for the End of the World

2012 kamen dann passend zur Prophezeiung gleich mehrere Endzeitfilme heraus. Erwähnenswert ist unter anderem „Seeking a Friend for the End of the World“ mit Steve Carell, Keira Knightley, Adam Brody und Patton Oswalt. In dem Film geht es tatsächlich um einen bevorstehenden Meteoriten-Einschlag und trotzdem beweist Regisseurin Lorene Scafaria mit der Tragikomödie, dass das Jüngste Gericht nicht einseitig sein muss. Die Wartezeit bis zum Doomsday wird mit vielen Pointen und Gags aufgeladen, sodass das Ende fast noch trauriger wirkt als bei den üblichen Armageddon-Storys.

It's a Disaster

Das gilt auch für „It’s a Disaster“ aus dem gleichen Jahr. Hier sind die Charaktere besonders liebevoll gestaltet und ausdifferenziert. Regisseur Todd Berger lässt darin Stars wie David Cross und Julia Stiles ein herkömmliches Pärchen-Dinner durchleben. Authentisch und mit viel Humor werden dabei kleine Geheimnisse und Schwächen eines jeden Beteiligten beleuchtet, bis der Ausnahmezustand eintritt. Der 3. Weltkrieg kommt dem merkwürdigen Zusammentreffen der 8 Freunde in die Quere und alle rasten komplett aus – jeder auf seine ganz eigene Art und Weise, versteht sich. Neben der überwältigenden Erfahrung von „Melancholia“ ist deshalb auch „It’s a Disaster“ mein Weltuntergangs-Favorit. Genauso herrlich chaotisch und schrullig würde ich den letzten Tag auf der Erde auch erleben wollen.

This is the End

Ob der Film „This ist he End“ von Evan Goldberg und Seth Rogen, der dieses Jahr erscheint, das noch toppen kann, gilt es herauszufinden. Die Chancen stehen gut, schließlich wartet dieser mit Stars wie James Franco, Jonah Hill, Seth Rogan, Jay Baruchel, Danny McBride, Craig Robinson, Michael Cera, Emma Watson, Christopher Mintz-Plasse, Paul Rudd, Channing Tatum und Jason Segel auf und wurde bereits 2007 als Kurzfilm „Jay and Seth Versus the Apocalypse“ angetestet. Die Story besticht mit einem simplen Konzept: James Franco gibt in seinem Haus eine Party, die Hollywood-Gäste kommen – die Apokalypse auch. Same Storyline #46? Screw it, I’m in!

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