Warum es Drehbuchautoren hierzulande schwer haben

Schreiben ist nicht immer leicht

Die „Writers Guild of America“ tritt in den Streik und legt monatelang die weltweit größte Unterhaltungsindustrie lahm – interessiert in Deutschland keine Sau! Der „Verband Deutscher Drehbuchautoren“ droht mit ähnlichen Maßnahmen – kriegt nur leider niemand mit, da das Gros der hiesigen Kinogänger und TV-Junkies gar nicht weiß, dass ein solcher Verband überhaupt existiert. Gut geschriebene deutsche Krimis und Thriller fallen im Nachtprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender der Bedeutungslosigkeit anheim und die Drehbücher für die bekannten Fließbandserien im Vorabendprogramm (nichts gegen Matula oder den Landarzt, aber die blaue Blume der Fernsehunterhaltung sieht anders aus) sind mit Rechtschreibfehlern gespickte, hastig runtergeschriebene Schmierzettel, die (man ist wohl auch noch stolz darauf) zum Teil im Internet als Anschauungsmaterial heruntergeladen werden können! Darüber hinaus wird das Drehbuchschreiben hierzulande zu selten angemessen gefördert beziehungsweise vergütet und in der deutschsprachigen Wikipedia findet man zwar die Filme der Autoren, häufig aber keine eigenen Einträge. Die nationalen Drehbuchpreise sind indes niedrig dotiert und das öffentliche Interesse fällt ebenfalls eher bescheiden aus. Belletristik-Autoren, selbst jene teutonischen „Romanciers“, die man lediglich mit Schund (vorzugsweise dämliche Historienromane und mittelgute Krimis nach skandinavischem Vorbild) in Verbindung bringt, genießen ein höheres Ansehen als gute Drehbuchautoren, von denen es bei uns leider viel zu wenige gibt.

Warum deutsche Drehbücher häufig schlecht sind

Eine Arbeit, die nicht ordentlich bezahlt wird, kann auf Dauer auch keine Qualität bergen. Wir haben in der deutschen Filmbranche tolle Handwerker, die leider viel zu häufig für unausgegorene Werbespots, mittelprächtige Serien beziehungsweise schmerzhaft gestrige TV-Shows und – mit Verlaub – beschissene Filme verheizt werden. Wirklich gute (noch lebende) deutsche Charakterdarsteller gibt es zwar wenige, doch immerhin fallen mir gleich Namen wie Christian Redl und August Diehl ein. Auch die Historie des Deutschen Films kann sich sehen lassen. Während der Stummfilmzeit, vor und auch viele Jahre nach der Zwangskooperation mit den amerikanischen Produzenten Paramount und Metro-Goldwyn-Mayer, war die UFA eine treibende Kraft der Filmbranche. Dann haben natürlich die Nationalsozialisten alles mit ihrer Propaganda verseucht und anschließend kam der dröge Heimatfilm, bis der „Neue Deutsche Film“ selbst bei Exilanten wie Fritz Lang wieder Hoffnung schürte. Es folgte wieder eine Durststrecke, wohl auch, weil viele gute Leute von Hollywood abgeworben wurden. Dagegen spricht auch eigentlich gar nichts – die Hauptsache ist doch, es entstehen dabei gute Filme. Hierzulande versuchte man jedoch viel zu lange, der Nouvelle Vague oder gängigen Hollywood-Konzepten nachzueifern, während sich andere Länder zu erfolgreichen Filmnationen mauserten. Selbstverständlich ist der deutsche Film immer noch wichtig und vor allem die Klassiker finden auch im Jahr 2013 noch große Beachtung auf der ganzen Welt. Und wenn sich ein Florian Henckel von Donnersmarck, der vermutlich keine großen finanziellen Engpässe überstehen musste, wochenlang in eine Klosterzelle im Wienerwald einschließt, um ein halbwegs innovatives Drehbuch zu verfassen, dann kommt dabei auch flugs ein mit dem Oscar prämierter Streifen heraus, der momentan auf Platz 61 der IMDB-Bestenliste steht. Den hiesigen Drehbuchautoren fehlen Zeit, Geld und Zuspruch. So wie es jetzt läuft, werden Konzepte einfach überstürzt realisiert, und solange alles schön preiswert bleibt und ordentlich Kohle verspricht, werden auch die Erstfassungen der Drehbücher einfach durchgewunken, egal, ob sie dramaturgisch ausgereift sind.

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