Poor John!

Am 20 Mai wird “Nowhere Boy” auf Blu-ray und DVD veröffentlicht. Über den Streifen habe ich ja schon mal einen Artikel geschrieben, in dem ich meiner Erleichterung als Beatles-Fan Ausdruck verlieh. Den konnte man durchaus gucken.

Dann rotzte Citroën ja vor ein paar Monaten einen TV-Spot hin, der gottlob gar nicht erst ins kollektive Gedächtnis der Deutschen vordrang.

Worüber ich aber in diesem Artikel schreiben will, hat eigentlich keinen cineastischen Bezug, aber ich muss mir hier grade mal Luft machen!

Der “John Lennon Talent Award 2011″

Diese “Band-Contests” werden in verschiedenen deutschen Städten ausgetragen und am 23.04. fand das Finale in Kiel statt, bei dem ich, durch seltsame kosmische Fügungen, zugegen war. Mannomann, was für’n Käse!

Die Namen der Bands habe ich nicht behalten. Ich glaube, eine der Bands hieß Sheenanigans, aber ich habe so wenig Interesse an diesen “heißen Newcomern”, dass es mir schon ein viel zu großer Aufwand ist, einen weiteren Tab zu öffnen und die Namen nachzuschlagen.
Das heißt nicht, dass die Leute nicht spielen konnten – ganz im Gegenteil! Die Frontfrau der ersten oder zweiten Band hatte ‘ne echte Wahnsinnsstimme und an den Instrumenten ackerten (mit einigen Ausnahmen) echte Könner. Und ab und an erklang sogar ein richtig geil verrocktes Bluesriff. Außerdem sahen die da alle total schick aus. Die hatten so fesche Frisuren, die so strubbelig zur Seite hängen oder so Mangamäßig immer ein Auge verdecken. Ich war auch ganz neidisch auf die Passform der Karottenjeans, der Hippster-Hemden und der Muskelshirts. Voll die hübschen Leute! Die Rock’n'Roll-Posen hatten die auch drauf und es wurden auch super-energetisch herumgehopst und so auf der Stelle marschiert, wie die Replikanten von der Insel das auch immer machen.

Vielleicht (oder sogar “wahrscheinlich”) tue ich den Musikern grade Unrecht. Mein Hass auf dümmliche “Band-Contests” ist allerdings ganz erheblich und auch wenn ich den Gram gegen diese spezielle Art von Lebenszeitverschwendung für einen Moment vergessen könnte, über EINES kann ich einfach nicht hinwegsehen. Es ist vermutlich der Grund, warum John Lennon im Grabe rotiert und Rock’n'Roll offiziell für tot erklärt werden kann. VOR der Contest-Kacke kamen nämlich zwei Moderatoren auf die Bühne (wir nennen sie hier mal Bummsi und Kackdödel), die eine schlecht beschallte Warm-Up-Show der absoluten Unterklasse ablieferten. Gedankt wurde vor allen Dingen den Sponsoren: Der Provinzial-Versicherung, irgendeiner verkackten Werbeagentur und ich glaube der Radiosender “Delta-Radio” (den ich so aufregend wie Differentialrechnung finde), hat auch seine Finger mit im Spiel. Und so saß ich in der hintersten Ecke der Trauma und dachte über den Abschluss einer Unfallversicherung nach…man weiß ja nie…
Ach, getanzt wurde auch nicht wirklich. Vorne waren hauptsächlich weibliche Groupies, die sich über ihre sexuelle Orientierung noch nicht so ganz sicher zu sein schienen und die auch noch keine Ahnung hatten, was man vor einer Bühne eigentlich machen kann. Es wurde brav geklatscht, ein bisschen gekreischt und wenn der Oberbock auf der Bühne es verlangte, wurden die Hände in die Luft gestreckt (ein Ritual, dessen Sinn sich mir nie erschlossen hat)
Lustigerweise waren auch ein paar Alt-68er in der Trauma gestrandet, die in der KN oder sonstwo den Namen “John Lennon” gelesen haben müssen. Die taten mir irgendwie leid. Nächstes Jahr mache ich übrigens auch einen Contest. Ich nenne ihn “Das große George-Harrison-Huppifluppi” präsentiert von der Sparkasse und der Schill-Partei!