Der Einzelgänger auf DVD

Robert Michum ist Clint Tollinger, ein stereotyper Revolverheld, der einsam von Stadt zu Stadt reitet, um plündernde Banden in die Flucht zu schlagen. Zwar schafft er es immer genau dort aufzuschlagen, wo er gebraucht wird, doch macht sich der strenge und wortkarge Mann auch nirgendwo Freunde.

Diesen ruhelosen und stets von Gefahr und Angst geprägten Lebensstil hält seine Frau Nelly (Jan Sterling) jedoch nicht lange aus und verlässt Ihn. Tollinger verschlägt es auf der Suche nach Nelly in das kleine Städtchen „Sheridan City“, in dem (natürlich) eine Bande ihr Unwesen treibt. Der örtliche Gesetzeshüter hat zu viel Angst vor den Revolvermännern, die unter der Leitung des übergewichtigen Ekels Dade Holman (Joe Barry) die Stadt fest im Griff haben und schaut deshalb lieber weg. Wie gehabt wird Tollinger angeheuert, um die arglosen Bürger zu beschützen, gleichwohl seine strenge Linie und Brutalität die naiven Stadtbewohner abschreckt.

Ab diesem Punkt entwickelt die Figur des Clint Tollinger einen (für mich) sehr überraschenden Facettenreichtum und Plastizität. Der Zuschauer beginnt zu verstehen, dass Tollinger psychisch labil ist und harrt mit angehaltenem Atem auf den Showdown, der zwischen zwei Männern ausgetragen wird, die mit dem Kopf durch die Wand gehen und lieber ins offene Messer laufen würden, als auch nur einen Schritt zu weichen.

Auch ist „Der Einzelgänger“ für einen Western aus den 50ern ungewohnt zynisch und bringt seine Sozialkritik sehr clever an. Man begibt sich mit der Frage, wohin der Kern einer Zivilisation unter besonderen Umständen ausschlägt, auf durchaus diffiziles philosophisches und psychologisches Terrain. Auch die Abwägung der Gewissensfrage scheint für einen derart bleihaltigen Western eher ungewöhnlich.

Die DVD aus dem Hause Euro Video enthält die deutsche und die englische Fassung in befriedigender Bild- und Tonqualität. Untertitel gibt es allerdings keine und von drei Trailern mal abgesehen, gibt es auch keine Extras. Schade!